Unser Handwerk
Zwei Wege, eine Form zu finden
Es gibt nicht nur eine Art, mit Ton zu arbeiten. Bei uns lernst du sowohl den Handaufbau als auch die Arbeit an der Drehscheibe kennen, je nach Kurs und Vorliebe. Hier erklären wir, was dabei technisch passiert, ohne dass du vorher etwas davon verstanden haben musst.
Handaufbau: Formen mit den Fingern
Beim Handaufbau entsteht ein Stück ohne Drehscheibe, ausschließlich durch Rollen, Drücken und Aufschichten von Ton. Wulsttechnik, Plattentechnik und freies Modellieren gehören dazu. Diese Methode eignet sich besonders gut für den Einstieg, weil sie wenig technische Vorbereitung braucht und trotzdem viel gestalterischen Spielraum lässt.
Gerade unregelmäßige Formen, Schalen mit Charakter oder kleine Figuren entstehen häufig im Handaufbau. Man merkt dem fertigen Stück oft an, dass es von Hand gebaut wurde, und genau das wird von vielen als Vorteil empfunden.
Drehscheibe: Zentrieren, Aufziehen, Formen
An der Scheibe läuft alles über Zentrifugalkraft und ein ruhiges Gefühl in den Händen. Der erste Schritt, das Zentrieren, ist für die meisten Menschen der schwierigste Teil, weil er Geduld und ein bisschen Körperspannung verlangt. Danach folgen Aufziehen, Formen der Wand und schließlich das Abschneiden vom Scheibenkopf.
Wir nehmen uns für diesen Teil bewusst Zeit. Ein schiefer erster Versuch ist normal, fast schon Teil des Lernprozesses. Niemand verlangt beim ersten Mal eine gerade Wand.
Vom Rohling zur Glasur
Was nach dem Formen passiert
Trocknen
Das frisch geformte Stück trocknet langsam an der Luft, bis es lederhart ist. Zu schnelles Trocknen kann Risse verursachen, deshalb braucht dieser Schritt Zeit.
Schrühbrand
Beim ersten Brand bei niedrigerer Temperatur wird der Ton porös und aufnahmefähig für Glasur, verliert aber noch nicht seine gesamte Formbarkeit für spätere Bearbeitung.
Glasieren
Die Glasur wird aufgetragen, getaucht, gepinselt oder gegossen. Farbe und Struktur entstehen erst im zweiten Brand, vorher sieht man nur eine matte, kreidige Schicht.
Glasurbrand
Bei höherer Temperatur schmilzt die Glasur zu einer glatten, dichten Oberfläche. Erst danach ist das Stück fertig und alltagstauglich.
Werkzeug und Material
Wir arbeiten mit Steinzeugton in unterschiedlichen Körnungen, dazu Modellierhölzer, Rippen, Schwämme und Draht zum Abschneiden. Alles liegt an jedem Arbeitsplatz bereit, du musst nichts mitbringen außer Kleidung, die auch mal Tonspritzer verträgt.
Der Brennofen läuft mehrmals wöchentlich, abhängig davon, wie viele Stücke gerade trocken genug sind. Deshalb kann die Abholzeit je nach Kurstermin leicht variieren.
Ein Hinweis zur Arbeit mit Ton
Tonarbeit ist grundsätzlich unbedenklich, trotzdem ein paar praktische Hinweise: Trockener Tonstaub sollte nicht eingeatmet werden, wir arbeiten deshalb überwiegend mit feuchtem Material und reinigen die Werkstatt regelmäßig feucht statt trocken zu fegen. Schürzen liegen bereit, festes Schuhwerk ist an der Scheibe sinnvoll. Wer empfindliche Haut hat, kann Handcreme direkt nach dem Kurs verwenden, Ton entzieht der Haut kurzfristig etwas Feuchtigkeit.